Eine Familie, fünf Tonnen Kräuter und ganz viel Erfahrung
Was vor 40 Jahren mit einem Informationsabend von Ricola, einer kleinen Fläche Brennnesseln und viel Handarbeit begann, entwickelte sich zu einem wichtigen Betriebszweig für mehrere Bauernfamilien im Luzerner Hinterland. Mittendrin: Brigitte Theiler und ihre Familie. Auf ihrem Hof im Napfgebiet werden Kräuter angebaut, verarbeitet und innerhalb kürzester Zeit besonders schonend getrocknet, bevor sie in Zeltli, im Tee oder in einem Kräuterkissen für die Sauna landen.
- Brigitte, wie begann eure Geschichte mit den Kräutern?
- Aus einigen wenigen Produzenten entstand schliesslich eine ganze Kräuter-Hochburg?
- Die Arbeitsweise hat sich stark verändert, oder?
- Und auch beim Trocknen habt ihr investiert.
- Was macht das Napfgebiet für den Kräuteranbau eigentlich so besonders?
- Und welche Monate sind für die besten Kräutermonate?
- Dein Hof liegt auf 715 Metern über Meer. Was bedeutet die Höhenlage für den Anbau?
- Nach welchen Zeichen und Rhythmen richtest du dich beim Ernten? Spielt beispielsweise der Mondkalender eine Rolle?
- Unmittelbar nach der Ernte, was passiert dann?
- Ein Prozess, der lange dauert?
- Und was passiert, wenn ein Kraut falsch getrocknet oder gelagert wird?
- Kann ein Laie eine gute Kräuterqualität erkennen?
- Hast du ein Lieblingskraut?
- Gibt es ein Kraut, das aus deiner Sicht unterschätzt wird?
- Welches alte Kräuterwissen aus der Region möchtest du unbedingt bewahren?
- Wie stellt ihr sicher, dass der Anbau nachhaltig bleibt und der Boden nicht überbeansprucht wird?
- Wie blickst du auf die wachsende Popularität von Kräutern in der Wellnessbranche?
- Napf-Kräuter im Küng Spa Shop
- Ihr beliefert seit Jahrzehnten Ricola und auch Wellnessanbieter wie Küng. Wie erlebst du diese unterschiedlichen Welten?
- Welches einfache Kräuterritual würdest du unseren Leserinnen und Lesern empfehlen?
- Noch mehr Inspiration aus der Welt der Kräuter und Düfte
Brigitte, wie begann eure Geschichte mit den Kräutern?
Vor gut 40 Jahren nahm mit meinen Schwiegereltern Alois und Rösy alles seinen Anfang. Damals suchte Ricola nämlich neue Kräuterproduzenten und veranstaltete Informationsabende in lokalen Restaurants. Mein Schwiegervater war sofort begeistert davon und begann auf einer kleinen Fläche Brennnesseln und Wurzeln für Ricola anzubauen.
Aus einigen wenigen Produzenten entstand schliesslich eine ganze Kräuter-Hochburg?
Genau. Es bildete sich eine Kräuteranbau-Genossenschaft mit verschiedenen Produzenten aus dem Luzerner Hinterland. Bei Ricola fand jeweils im Dezember die Kontingentverteilung statt, und unsere Region erhielt mit der Zeit immer grössere Mengen zugesprochen.
Irgendwann war klar: Wir brauchen eine eigene Trocknungsanlage, ein Lager und eine funktionierende Logistik. Schliesslich mussten die Kräuter nach der Verarbeitung auch transportiert werden. Gleichzeitig kamen immer mehr Anbauflächen dazu. Gewisse Bauern hörten wieder auf, andere stiegen neu ein.
Als mein Mann vor rund 20 Jahren den Betrieb übernahm, wusste er, dass er den Kräuteranbau weiter fördern wollte. Gemeinsam bauten wir die Fläche von einem halben auf zwei Hektaren aus. Zusammen mit einem Landmaschinenmechaniker entwickelten wir sogar einen eigenen Kräutermäher. Damit mussten die Kräuter nicht länger von Hand geschnitten werden.
Und auch beim Trocknen habt ihr investiert.
Die Kräuteranbaugenosseschaft merkte, dass sie eine grössere und professionellere Trocknungsanlage brauchte. Gemeinsam mit einem Kältetechniker, der sich darauf spezialisiert hatte, bauten sie die Anlage aus. Die schonende Trocknung ist entscheidend, damit Farbe, Duft und wertvolle Inhaltsstoffe der Kräuter möglichst gut erhalten bleiben.
Vom Kräuteranbau allein kann man allerdings kaum leben. Für uns war er immer ein zusätzlicher Betriebszweig neben der Mutterkuhhaltung. Gleichzeitig gründeten wir die Napfkräuter GmbH und entwickelten eigene Teemischungen, Sirupe und Kräuterprodukte. So wuchs alles Schritt für Schritt weiter. In arbeitsintensiven Zeiten sind wir auch auf saisonale Mitarbeitende angewiesen.
Und welche Monate sind für die besten Kräutermonate?
Die intensivste Kräuterzeit dauert von Mai bis September. Natürlich kommt es immer darauf an, welche Kultur man anbaut. Nicht jedes Kraut verträgt Regen, Kälte oder viel Sonne gleich gut.
«Man muss die Kräutersorten immer an das Land anpassen, das man zur Verfügung hat.»
Brigitte Theiler Kräuter Expertin
Dein Hof liegt auf 715 Metern über Meer. Was bedeutet die Höhenlage für den Anbau?
Ob die Wirkstoffkonzentration auf 700 Metern tatsächlich anders ist als weiter unten, kann ich nicht beurteilen. Aber nicht alle Kräuter gedeihen in allen Gebieten gleich gut. In höheren Lagen ist auch der Boden oft anders: vielleicht sandiger oder steiniger und mit weniger Lehm.
Man muss deshalb die Kräutersorten immer an das Land anpassen, das man zur Verfügung hat. Zudem sind die Erträge in höheren Lagen meist kleiner. Während ein Betrieb im Tal bis zu vier Schnitte erzielen kann, sind es auf 1000 Metern vielleicht noch ein oder zwei.
Unmittelbar nach der Ernte, was passiert dann?
Die Bauern ernten die Kräuter mit den dafür entwickelten Maschinen und liefern sie direkt bei uns ab. Die frischen Kräuter werden in grosse Trocknungscontainer geschüttet. Spätestens eine Stunde nach der Ernte müssen sie dort sein. Diese kurze Zeitspanne ist für die spätere Qualität sehr wichtig.
Anschliessend werden die Kräuter kalt und langsam getrocknet. Die Luft strömt mit maximal 30 Grad von unten durch die Container. So erleidet das Kraut keinen Hitzeschock und behält seine kräftige Farbe.
Und was passiert, wenn ein Kraut falsch getrocknet oder gelagert wird?
Ist es nicht vollständig getrocknet, bleibt Feuchtigkeit zurück. Dadurch kann Schimmel entstehen. Das Kraut kann sich schwarz verfärben, weil sich im Innern Wärme entwickelt, und irgendwann beginnt es auch unangenehm zu riechen. Dann ist es nicht mehr verwendbar.
Kann ein Laie eine gute Kräuterqualität erkennen?
Als Erstes sollte man auf die Farbe achten: Sie sollte schön und kräftig sein. Auch der Duft verrät viel. Ein gutes, getrocknetes Kraut riecht intensiv und frisch.
Wenn man kaum mehr riechen oder schmecken kann, um welches Kraut es sich handelt, ist es wahrscheinlich schon älter oder wurde nicht optimal verarbeitet und gelagert.
Hast du ein Lieblingskraut?
Ganz klar die Pfefferminze: Sie ist verhältnismässig unkompliziert zu bewirtschaften und im Luzernischen sehr beliebt. Man kann sie warm als Tee oder kalt als erfrischendes Getränk geniessen. Wir persönlich brauchen unglaublich viel davon.
Welches alte Kräuterwissen aus der Region möchtest du unbedingt bewahren?
Ganz klar das Wissen meiner Schwiegereltern. Sie haben sich über viele Jahre unglaublich viel angelesen, selbst ausprobiert und immer weiter aufgebaut. Dieses Wissen kann man so nirgends lernen.
Und selbst nach Jahrzehnten lernt man jedes Jahr etwas dazu. Das Wetter ist so unbeständig, dass kein Jahr genau gleich verläuft. Man muss wissen, wie man reagiert, wenn es wochenlang regnet oder wenn es, wie in diesem Jahr, extrem heiss ist. Vieles entsteht aus Erfahrung, Beobachtung und dem täglichen Umgang mit den Pflanzen.
Wenn Kräuter zu lange am selben Ort angebaut werden, können sich ausserdem Tiere ansiedeln, die den Pflanzen schaden, etwa der Minzenkäfer oder die Zikade. Mit einem regelmässigen Wechsel der Flächen kann man solche Probleme positiv beeinflussen.
Wie blickst du auf die wachsende Popularität von Kräutern in der Wellnessbranche?
Ich finde es sehr schön, dass sich wieder viele junge Menschen mit Ernährung, Gesundheit und Naturprodukten beschäftigen, statt bei jedem Problem einfach zu einer Tablette zu greifen. Es macht viel aus, wenn dieses Wissen auch in den Medien, auf Instagram oder auf anderen Plattformen präsent ist.
Natürlich wird bei allem, was gerade modern ist, manchmal auch übertrieben. Das gehört wohl dazu. Nichtsdestotrotz: Ich arbeite schon sehr lange mit offenen Teemischungen und bin trotzdem immer wieder überrascht, wie viele junge Menschen heute bei uns Tee kaufen.
Napf-Kräuter im Küng Spa Shop
Ihr beliefert seit Jahrzehnten Ricola und auch Wellnessanbieter wie Küng. Wie erlebst du diese unterschiedlichen Welten?
Ich finde es grundsätzlich spannend, wie vielseitig Kräuter eingesetzt werden können. Wir kommen ursprünglich aus der Teebranche und es hat mich schon immer interessiert, in welchen weiteren Bereichen Kräuter ihren Platz finden können.
Dabei mache ich keinen grossen Unterschied zwischen einem grossen Unternehmen wie Ricola und der Wellnessbranche, in der Kräuter sehr gezielt für bestimmte Anwendungen eingesetzt werden. Mich faszinieren vor allem die unterschiedlichen Möglichkeiten. Kräuter lassen sich trinken, riechen, spüren und auf ganz verschiedene Weise erleben.
Welches einfache Kräuterritual würdest du unseren Leserinnen und Lesern empfehlen?
Abwechslung. Man muss nicht immer nur seinen Lieblingstee trinken. Es gibt so viele unterschiedliche Kräuter und Teemischungen zu entdecken.
Bei einer gezielten Teekur kann man seinem Körper etwas gutes tun. Eine solche Kur kann beispielsweise bedeuten, täglich einen Liter Brennnesseltee zu trinken. Danach wechselt man wieder zu einem anderen Kraut. So bleibt Tee und seine Wirkung abwechslungsreich und jedes Kraut bekommt seinen eigenen Moment.
Noch mehr Inspiration aus der Welt der Kräuter und Düfte
Wer noch tiefer in die wohltuende Welt natürlicher Düfte und Essenzen eintauchen möchte, findet im Küng Magazin weitere spannende Beiträge. Der Artikel «Aromatherapie in Sauna und Dampfbad: Entspannung pur» zeigt, wie ätherische Öle und Kräuter ihre Wirkung in Verbindung mit Wärme und Dampf entfalten und welche Düfte beruhigen, beleben oder die Atemwege unterstützen können.
Wie sich kleine Wohlfühlmomente verschenken lassen, lesen Sie hier: «Wellness-Geschenke: Die besten Ideen für Weihnachten». Die vorgestellten Ideen machen natürlich nicht nur unter dem Weihnachtsbaum Freude: Hochwertige Aufgüsse, duftende Badezusätze, feine Pflegeprodukte oder stilvolle Accessoires schenken zu jeder Jahreszeit ein Stück Entspannung.