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Was ist Wissenschaft und was Mythos am Eisbaden, Prof. Dr. Erich Hohenauer?

Kälte erlebt gerade einen Hype. Cold Plunges, Eisbad-Challenges, Atem-Rituale: Überall tauchen Menschen in eiskaltes Wasser und schwören auf den Effekt. Doch was davon ist echte Physiologie? Was ist Placebo? Und wo beginnt die Gefahr? Wir haben mit Prof. Dr. Erich Hohenauer gesprochen, einem der führenden Kältereiz-Forscher im deutschsprachigen Raum.

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Wie wird ein Bergkind zum Kältereiz-Forscher?

Ich bin in einem kleinen österreichischen Bergdorf aufgewachsen, direkt neben den Skiliften. Winter war für mich immer etwas Natürliches und Schönes. Zum Thema Kälte bin ich aber eher zufällig über die Forschung gekommen. Zuerst im Zusammenhang mit sportlicher Leistungsfähigkeit. Je mehr ich darüber las und je mehr Studien ich machte, desto faszinierter war ich. Aus einem simplen Reiz entstehen extrem unterschiedliche Effekte – von gesundheitsfördernd bis potenziell lebensbedrohlich. Diese Dosis-Wirkungs-Frage hat mich nicht mehr losgelassen.

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Was passiert in den ersten 30 Sekunden, wenn wir ins kalte Wasser steigen?

Man spürt einen massiven Reiz an den Kältesensoren der Haut. Dadurch verändern sich Herzfrequenz, Atmung und Durchblutung abrupt. Das ist ein oberflächlicher Effekt, die eigentliche Gewebekühlung passiert erst nach mehreren Minuten. Ein gesunder Erwachsener kann in den ersten 20 Minuten im eiskalten Wasser übrigens nicht in eine Unterkühlung geraten. Das ist physiologisch unmöglich.

Welche langfristigen Effekte der Kälte sind wissenschaftlich gesichert? Und welche nicht?

Gesichert sind einige Punkte: Das subjektive Wohlbefinden steigt. Die Stressreaktion schwächt sich ab. Die Temperaturregulation verbessert sich, und gewisse Entzündungsmarker reduzieren sich. Die Kältetherapie kommt aus der Schmerzmedizin, dort gibt es eine starke Evidenz.

Bei einem möglicherweise verbesserten Stoffwechsel oder einem verbesserten Immunsystem gibt es zwar Hinweise, aber die Studienlage ist heterogen. Das bedeutet: Manche Studien zeigen Effekte, andere nicht. Was definitiv nicht stimmt: Kälte heilt keinen Krebs oder Depressionen und bringt auch keinen dauerhaften Immunboost. Und wichtig: Kälte ersetzt keinen Sport.

Wann entsteht das intensive Wohlgefühl nach einem Eisbad?

Der stärkste Effekt kommt nach dem Bad, beim Wiederaufwärmen. Während der Kälte wird das Blut zentralisiert, die Gefässe verengen sich. Danach gibt es eine reaktive Gefässerweiterung. Das erzeugt diesen starken Wohlfühleffekt. Und hormonell messen wir einen Anstieg von Adrenalin, Noradrenalin, Endorphine und Dopamin.

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Warum reagieren manche Menschen sofort positiv, andere kaum?

Die Reaktion des Körpers ist bei allen gleich, aber das Ausmass ist unterschiedlich. Das hängt von Veranlagung, Herkunft, Vorerfahrung oder auch Körperzusammensetzung ab. Jemand, der mit Kälte aufwächst, reagiert anders als jemand, der aus einem warmen Klima kommt.

Welche Risiken beim Eisbaden werden unterschätzt?

Das grösste Risiko ist das Ego. Viele überschätzen sich: zu lang, zu kalt, zu exponiert. Dann gibt es den Kälteschock mit unkontrolliertem Atmen, bei dem Wasser aspiriert werden kann. Oder den sogenannten autonomen Konflikt, wenn man gleich zu Beginn den Kopf unter Wasser taucht.
Warnsignale sind Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel, Schwarzwerden. Dann sofort raus.

Warum sind 10 °C im See nicht dasselbe wie 10 °C im Cold Plunge?

Weil der See zusätzliche Umweltstressoren bringt: Wind, Wellen, Strömungen, Tiefe, rutschige Oberflächen. Im Cold Plunge ist die Situation kontrolliert. Da muss ich mich nur mit dem Wasser auseinandersetzen, nicht mit einer verrosteten Leiter oder Wellengang.

Welche Temperatur wirkt am besten?

Das erforschen wir gerade. Für die meisten Menschen liegt der optimale Bereich zwischen 10 und 15 °C. Für gesundheitliche Effekte reichen kurze Expositionen von 3 bis 6 Minuten. Für die Regeneration nach Sport muss man länger bleiben – bis zu 20 Minuten –, und das Wasser sollte wärmer sein. Da geht es darum, Entzündungsreaktionen zu dämpfen und Muskelkater vorzubeugen.

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Was passiert mental, wenn wir lernen, Kälte auszuhalten?

Man trainiert den Umgang mit einem kontrollierten Stressor. Das Gehirn lernt: Dieser Reiz ist intensiv, aber nicht lebensbedrohlich. Das erhöht die Stresstoleranz im Alltag. Viele berichten, dass sie Konflikte besser meistern, gelassener bleiben und mehr innere Ruhe entwickeln.

Wann ist Kälte gut für Sport und Regeneration und wann wird sie kontraproduktiv?

Sinnvoll ist Kälte in Wettkampfphasen, bei mehreren Wettkämpfen an einem Tag oder bei Hitze, wenn Leistungsfähigkeit stabil bleiben muss. Überhaupt nicht sinnvoll ist Kälte nach dem Krafttraining. Sie reduziert die Entzündungsreaktion und die Proteinsynthese; beides brauchen wir für Muskelwachstum.

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Prof. Dr. Erich Hohenauer

Prof. Dr. Erich Hohenauer zählt er zu den führenden Experten für Kälte- und Hypoxieexposition. Dank seiner langjährigen Tätigkeit als aktiver Wissenschaftler, Dozent und stellvertretender Forschungsleiter profitieren seine Kund:innen von dem Wissen und der Erfahrung, die er sich über viele Jahre in der angewandten Forschung angeeignet hat. In seiner Praxis in Nenzing verbindet er wissenschaftliche Präzision mit klinischer Anwendung und erstellt individuell auf die Kund:innen abgestimmte Programme.

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Ein Eisbad ist eine wirkungsvolle Form der Kältetherapie mit spürbarem Effekt auf Körper und Geist. Die Anwendung in einer speziell konzipierten Ice-Badewanne fördert die Regeneration, stärkt das Immunsystem, verbessert die Durchblutung und unterstützt die mentale Klarheit. Wer gezielt in die Welt der Kälte eintauchen möchte, findet bei uns die passende Lösung. Wir beraten Sie gerne.

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